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stop overthinking – dance!

  • Autorenbild: una seeli
    una seeli
  • 27. März
  • 4 Min. Lesezeit
kreativity unplugged

think wild – and take humor seriously

dance © una seeli


wir denken zu viel – und spüren zu wenig

Kinder tanzen die ganze Zeit, wenn sie dürfen. Wir alle waren einmal Kinder. Wir alle haben Körper. Ken Robinson formuliert es in seinem TED Talk über Kreativität und Schule so: "Ernsthaft, wir unterrichten Kinder, wenn sie aufwachsen, immer weiter von der Taille aufwärts. Dann konzentrieren wir uns auf die Köpfe ... als Erwachsene leben viele von uns nur noch in ihren Köpfen. Wir leben da oben. Wir werden körperlos im wörtlichen Sinne." Viele Erwachsene scheinen ihren Körper nur noch als "Transportmöglichkeit" zu betrachten, als eine "Art und Weise, ihre Köpfe zu Meetings zu bringen."



der Kopf rattert, plant, analysiert

Der bewusste Verstand kann laut Forschung nur etwa 0,1 Prozent aller Informationen, die der Körper über die Sinne aufnimmt, verarbeiten. Im Körper hingegen werden alle Informationen gespeichert – der Körper vergisst nichts.

Das, was uns wirklich lebendig macht, geschieht im Körper, in der Sinnlichkeit, in der Bewegung. Wenn wir uns bewegen, verändert sich alles: Der Atem wird weiter, Gedanken werden leichter, der Kontakt zur Welt unmittelbarer. Bewegung erinnert uns daran, dass wir mehr sind als To-do-Listen und innere Monologe. Der Körper weiss Dinge, die der Kopf nicht erklären kann. Ein Wissen, gespeist aus Atem, Rhythmus, sinnlicher Präsenz.



denken in Bewegung

Wir sind nicht nur Denkwesen, die mit Körpern ausgestattet wurden, sondern sinnliche Körper, die denken. Moderne Kognitionsforschung versteht Geist und Körper als untrennbar – Wahrnehmen, Fühlen, Entscheiden entstehen im Zusammenspiel von Gehirn, Körper und Umwelt („embodied cognition“). Das heisst: Wie wir uns bewegen, atmen, stehen oder sitzen, prägt, wie wir denken.

Die Quintessenz der Forschung: Emotion und Entscheidung sind verkörperte Prozesse, die ohne Körpersignale nicht zu verstehen sind. Körperwissen ist also auch Denk-Rohstoff – wer es kultiviert, erweitert sein Ideen- und Handlungsspektrum.

Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!

– Pina Bausch



Rhythm is a Dancer – creative Practice

Impulse als Ausgangspunkt von Bewegung gehören seit den 1960er-Jahren zu den wichtigsten Werkzeugen im Improvisationstanz. Pionierinnen wie Anna Halprin oder Barbara Mettler arbeiteten mit einfachen Aufgaben: ein Geräusch, ein Atemzug, ein Wort, eine Frage. Daraus sollte Bewegung entstehen – spontan, ungeplant, ohne Korrektur. Später griff auch Pina Bausch dieses Prinzip auf, wenn sie ihre Tänzer:innen aufforderte: „Zeig mir deine Angst beim Aufstehen." Oder: „Wie gehst du, wenn du wartest?“ Solche Fragen waren nichts anderes als Impulse – kleine Zündfunken, die Bewegungen hervorbrachten, die kein Kopf vorher hätte planen können.

Diese Entscheidung, Zukünftiges nicht beherrschen zu wollen, erlaubt es uns, spontan zu sein.

– Keith Johnstone


Im Kern geht es darum, den ersten Impuls nicht zu hinterfragen, sondern ihm zu folgen – nicht alles sofort ordnen und bewerten, sondern sich dem Prozess anvertrauen und etwas wachsen lassen.

Impulstanz zeigt, wie eng Kreativität mit Selbstorganisation verknüpft ist. Neue Muster entstehen, wenn wir alte Ordnungen lockern und das Ungeplante zulassen.


wix medien


was du davon hast

Impulstanz ist eine Schule der Spontanität. Er trainiert, den ersten Einfall nicht zu verwerfen, sondern ihm zu trauen. Wir nehmen den ersten Impuls auf und sagen "ja genau, und ..." und fügen etwas hinzu. Du verbindest dich mit deinem Körper und überlässt ihm die Führung – du stärkst deine Kreativität.



so geht’s

  • Nimm dir ein paar Minuten Zeit.

  • Setz dich hin oder stell dich locker in den Raum.

  • Warte auf den ersten Impuls: ein Geräusch, ein Atemzug, ein Wort – oder Musik.

  • Überlass dich deinem Körper, lass ihn reagieren – ohne Nachdenken, ohne Korrektur.

  • Folge der Bewegung so lange, bis der nächste Impuls kommt.


Du brauchst dafür keine Technik, keine Bühne, kein Publikum. Folge deinem Körper – vertrau dich an und folge dem ersten Impuls zum nächsten. Spür deiner angeborenen Bewegung nach, nicht der anerzogenen, die oft konditioniert ist und von gesellschaftlichen Normen geprägt. Überlass es dem Körper, dich zu bewegen – absichtslos.



Improvisation ist kein Unfall, sondern Kunst

Christopher Dell, Musiker, Komponist und Improvisationsforscher sagt über Improvisation: "Es ging mir auch nie darum, in eine (wie auch immer geartete) Not hinein- oder hinauszukommen. Die Not hat mich nie interessiert, dieser Reparaturmodus, dieses: Jetzt ist was schiefgegangen, jetzt muss ich mal improvisieren, das ist für mich uninteressant. Der Kern liegt für mich in der Performanz des Ereignisses als einer grundlegenden Positivität. Für mich ist Improvisation kein Unfall, sondern Kunst. Bei mir gibt es einen Willen zur Improvisation."



dem trauen, was sich zeigt und spontan antworten

Im Impulstanz entwickeln wir spontane Bewegung. Wir geben uns bewusst dem Kontrollverlust hin, lassen das Diktat des Geistes los, um spontanem Ausdruck zu folgen, statt vorgegebener Form.


Pina Bausch sagte einmal: „Mich interessiert nicht, wie sich Menschen bewegen, sondern was sie bewegt.“ Genau darum geht es im Impulstanz: Bewegung nicht planen, sondern auf einen Auslöser antworten – roh, intuitiv, überraschend. Es geht nicht darum, eine schöne Figur zu finden, sondern darum, die Frage selbst in Bewegung zu übersetzen.

... nicht zu wissen, sondern es dem Körper zu überlassen, dich zu tanzen.

– William Forsythe




inspirierend:

Improvisation ist kein Unfall, sondern Kunst – Pina Bausch hat das mit jedem ihrer Stücke gezeigt. Pina Bausch – Ein Film von Anne Linsel macht ihre Arbeit und ihre Haltung sichtbar – ein eindrucksvolles Porträt einer Frau, die Bewegung zu Kunst machte.



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