rudeltier kreativität
- una seeli

- 13. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Feb.
kreativity unplugged
think wild – and take humor seriously

cluster kreativität © una seeli
Kreativität ist disziplinlos
Sie ist mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Für mich ist Kreativität kein Werkzeug, sondern eine Haltung. Kreativität ist disziplinlos – sie betrifft alle Lebensbereiche.
Kreativität ist nichts, das man benutzen sollte – man sollte sie leben.
Kreativität ereignet sich dazwischen
Es geht nicht um die Frage, was Kreativität ist – vielmehr geht es darum, zu verstehen, wo sie in Erscheinung tritt und welche Bedingungen sie dafür braucht.
Kreativität ist ein Rudeltier. Sie entsteht immer an der Schnittstelle verschiedener Faktoren, die in Wechselwirkung zueinander stehen.
In der Forschung gibt es bis heute keine einheitliche Definition des Begriffs – aber Einigkeit darüber, dass Kreativität kein isoliertes Merkmal ist, sondern ein dynamisches System. Sie passiert nicht isoliert in einer Person, sondern dazwischen – zwischen Person, Kontext, Idee und Handlung. Genau darin liegt ihre Stärke – und ihre Förderbarkeit.
komplex und vieldimensional
Kreativität zeigt sich überall dort, wo etwas Neues entsteht, das sinnvoll und relevant ist. Ob es sich dabei um ein Kunstwerk, einen Algorithmus, eine Alltagserfindung oder einen politischen Gedanken handelt, spielt keine Rolle. Dabei bedeutet sinnvoll jedoch nicht automatisch moralisch gut, denn Kreativität beschreibt zunächst nur die Fähigkeit, Neues hervorzubringen; auch destruktive oder ideologisch problematische Entwicklungen können kreativ sein.
Entscheidend ist das Zusammenspiel, denn Kreativität ist keine isolierte Eigenschaft, sie ist komplex, ein ganzer Strauss von teilweise widersprüchlichen Merkmalen. Und sie ist nie nur individuell – sondern immer auch sozial, kulturell, situativ. Kreativität muss gewissermassen quer zu allen Bereichen genutzt werden.
Die Wurzel der Kreativität liegt in der Fähigkeit, in die Tiefe zu schauen.
– Rick Rubin
Verschiedene Theorien sprechen von unterschiedlichen Komponenten – systemisch, interaktiv, ökologisch, prozessorientiert. Was sich aber durchzieht: Kreativität entsteht nur in der Wechselwirkung. Und sie braucht Bedingungen, die sie begünstigen.
Die wichtigsten Dimensionen dieses komplexen Systems lassen sich grob in vier Bereiche gliedern – Person, Prozess, Panorama und Produkt – man nennt sie auch die 4P der Kreativität.
Person
Man muss kein Genie sein, um kreativ zu sein, kreative Fähigkeiten gehören zu uns wie der Umstand, dass wir mit Sinnesorganen ausgestattet sind und auf zwei Beinen gehen.
Bei kreativen Menschen zeigen sich teilweise gegensätzliche Eigenschaften wie Offenheit, Neugier, Ambiguitätstoleranz, Mut, Risikobereitschaft oder Durchhaltevermögen besonders ausgeprägt. Mihaly Csikszentmihaly, einer der einflussreichsten Kreativitätsforscher des 20. Jahrhunderts, bezeichnet als wichtigste Dualität kreativer Menschen, die Fähigkeit, einerseits neugierig, offen und empfänglich und andererseits fokussiert und zielstrebig zu sein – und die Tatsache, dass ihnen die Balance eben solcher Gegensätze äusserst erfolgreich gelingt.

creatives © una seeli
Prozess
Kreativität ist kein Knopf, den man drückt. Sie ist ein Weg. Ein Wechselspiel aus divergentem (offenem, suchendem) und konvergentem (fokussierendem, bewertendem) Denken.
Jeder kreative Prozess durchläuft dieselben Phasen, ganz egal, ob wir ein IT Problem lösen wollen, ein Bild malen, einen Text schreiben, einen Sneaker entwerfen, ein Lied komponieren oder ein neues Cookierezept kreieren. Das Schema bleibt sich gleich:
Wir orientieren uns und stellen Fragen, sammeln Ideen und Inputs, spielen damit, verdichten, verwerfen, reflektieren, selektionieren und setzen schliesslich um. Kreative Prozesse sind iterativ und sie öffnen immer auch Chaosräume – das gehört dazu.
Panorama (Umwelt)
Kreativität braucht Reize, Spielräume, überhaupt gute Räume, Irritationen und Stimulation, die Perspektivwechsel provozieren – Inspiration. Und sie braucht ein Umfeld, das dazu einlädt, Fehler zu machen – Fehler sind Ausgangspunkte und Angebote. Denn Kreativität braucht eine vertrauensvolle, zwanglose Atmosphäre und ein humorvolles Miteinander, damit wir uns trauen, etwas Ungewöhnliches überhaupt zu denken und zu sagen.
Produkt
Nicht jedes kreative Denken führt zu einem bahnbrechenden Werk. Muss es auch nicht. Entscheidend ist, dass etwas entsteht – ein Bild, ein Text, ein Gedanken-Konstrukt, die Lösung eines Problems, ein Song. Bahnbrechend neu ist relativ und relativ selten. Und das ist gut so, alles andere wäre viel zu anstrengend.
Zur Kreativität im Allgemeinen gehört ein grenzüberschreitendes Element.
– Mihaly Csikszentmihalyi
Fazit: Kreativität ist förderbar – und zwar in unterschiedlichen Aspekten
Kreativität ist wie ein Muskel: If you don’t use it, you lose it. Sie wächst, wenn man sie anwendet – und sie verkümmert, wenn man sie links liegen lässt. Wer heute proaktiv leben, mitgestalten, weiterdenken will, braucht keine perfekten Antworten, sondern Vorstellungskraft.
Kreativ sind wir nicht einzeln. Kreativität braucht Anstiftung, Reibung, Resonanz – und den Mut, noch eine Runde zu drehen. Kreativität gibt’s nicht solo. Sie kommt im Rudel.
lesenswert:
kreativ. Die Kunst zu sein
Autor: Rick Rubin. O.W. Barth, München 2023, 416 S., ISBN 978‑3‑426‑29339‑3




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