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round pegs in the square holes

  • Autorenbild: una seeli
    una seeli
  • 27. Feb.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. März

kreativity unplugged

think wild – and take humor seriously

creatives © una seeli


here's to the crazy ones

The misfits. The rebels. The troublemakers. The round pegs in the square holes. The ones who see things differently. They're not fond of rules. And they have no respect for the status quo. You can quote them, disagree with them, glorify or vilify them. About the only thing you can't do is ignore them.

Mit diesen Worten begann 1997 Apples legendäre „Think Different“-Kampagne – eine Hommage an all jene, die nicht ins Schema passen. Steve Jobs sprach nicht von exzentrischer Folklore. Er beschreibt die Persönlichkeit kreativer Menschen, die gerade wegen ihrer Widersprüchlichkeit bahnbrechend wirken und die Welt bewegen.



individuelle Vielheit

Kreative Personen sind selten glatte Profile. Sie sind vielmehr Gegensätze in Bewegung: diszipliniert und verspielt, visionär und bodenständig, rebellisch und traditionsbewusst.

Der Kreativitätsforscher Mihaly Csikszentmihalyi fasst den Unterschied in einem Wort: Komplexität.

Kreative Personen vereinen widersprüchliche Extreme in sich – sie bilden keine individuelle „Einheit“, sondern eine individuelle „Vielheit“. Wie die Farbe Weiss, die alle Nuancen des Spektrums enthält, neigen sie dazu, das gesamte Spektrum menschlicher Möglichkeiten in sich zu vereinen.

– Mihaly Csikszentmihalyi


Dabei muss man kein Genie sein, um kreativ zu sein – kreative Fähigkeiten sind so selbstverständlich wie Atmen oder Erinnern – sie sind Teil unserer Grundausstattung.

Was kreative Köpfe auszeichnet, ist nicht ein einzelnes Talent, sondern ein ganzes Set an Eigenschaften, das oft widersprüchlich erscheint: Offenheit und Neugier, gepaart mit Fokussierung und Zielstrebigkeit. Mut, Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen, kombiniert mit der Fähigkeit, Mehrdeutigkeit nicht nur zu ertragen, sondern diese produktiv zu nutzen.

Csikszentmihalyi nennt genau diese Dualität als Kernqualität kreativer Menschen. Ihre eigentliche Kunst liegt darin, dass ihnen die Balance eben solcher Gegensätze äusserst erfolgreich gelingt.



Disziplin und Risiko – Marie Curie

by jhriscones - own work, CC BY-SA 4.0


Curie war eine der konsequentesten Wissenschaftlerinnen ihrer Zeit – und zugleich eine Grenzgängerin. Ihre Forschung zu Radioaktivität verlangte höchste Präzision, Disziplin und Geduld. Gleichzeitig bewegte sie sich in völlig unbekanntem Terrain, nahm Risiken in Kauf, die ihre Gesundheit gefährdeten, und verliess bewusst die Sicherheit konventioneller Pfade.

Sie vereinte analytische Strenge mit einer unerschütterlichen Neugier. Ihr Drang, Unbekanntes zu erforschen, war grösser als die Angst vor Unsicherheit. Sie entdeckte zwei chemische Elemente und erhielt als erste Frau einen Nobelpreis für ihre Arbeit. Sie ist bis heute die einzige Person überhaupt, die zwei Nobelpreise in verschiedenen Wissenschaften erhielt.

Nothing in life is to be feared, it is only to be understood.

– Marie Curie



Struktur und Freiheit – Hans Zimmer

hans zimmer's studio, KI generierte visualisierung


Zimmer ist bekannt für seine monumentale Filmmusik, die zugleich mathematisch konstruiert und emotional überwältigend ist. In seinem Studio treffen Flügel, Gitarren und Orchesterinstrumente auf ganze Wände von Synthesizern und modernster Software. Er kann tagelang im Studio feilen, jede Nuance kontrollieren, um einen Sound zu finden, der exakt im dramaturgischen Timing sitzt. Und dann, kurz vor der Deadline, fällt er in einen kreativen Rausch – komponiert Nächte durch, improvisiert, entscheidet intuitiv – kombiniert analoges Handwerk mit digitalem Sound. Seine Stärke liegt in der ständigen Pendelbewegung zwischen Tradition und Technologie, minutiöser Struktur und improvisierter Explosion.

If something is too perfect, it can’t be real.

– Hans Zimmer



Tradition und Rebellion – Vivienne Westwood

laufstegmomente, 1990 bis 2010


Westwood konnte die akkurate Handwerkskunst britischer Schneidertradition wie kaum eine andere. Ihre Mode war ein permanentes Spiel zwischen respektvoller Tradition und hemmungsloser Rebellion. So wurde sie zur Ikone des Punks und gleichzeitig zur Trägerin des Order of the British Empire.

You have a more interesting life if you wear impressive clothes.

– Vivienne Westwood



Kontrolle und Wandel – David Bowie

ziggy, duke, blackstar, 1973 bis 2015 – by AVRO - FTA001019290 003 con.png beeld en geluid wiki - gallerie: toppop 1974, CC BY-SA 3.0 nl – by CBS television - eBay itemphoto ffrontphoto back, public domain – by javier perez montes - own work, CC BY-SA 4.0


Bowie erfand sich über Jahrzehnte immer wieder neu – Ziggy Stardust, The Thin White Duke, Blackstar. Jede Persona war sorgfältig konstruiert, ein kontrolliertes Konzept. Und doch folgte jede Verwandlung einer inneren Notwendigkeit, einer Lust am Risiko. Hinter der schillernden Bühnenfigur stand ein akribischer Arbeiter, der jeden Ton, jedes Detail bewusst setzte. Bowie balancierte Spontanität und strategische Planung wie kaum ein anderer.

I don’t know where I’m going from here, but I promise it won’t be boring.

– David Bowie



so erklärt's die Wissenschaft

Kreative Menschen leben in Spannungen. Sie passen nicht sauber in eine Schublade, sondern bewegen sich ständig zwischen Polen. Csikszentmihalyi beschreibt in seinen Forschungen zehn scheinbar gegensätzliche Merkmalspaare, die kreative Menschen oft vereinen:


  1. Sie verfügen über viel physische Energie, sind aber auch häufig ruhig und entspannt. Sie wechseln zwischen hoher Aktivität und Stille.

  2. Sie sind häufig weltklug und naiv zugleich. Eine gewisse Unreife wechselt mit tiefen Einsichten.

  3. Ihnen gelingt die Verbindung von Disziplin und Spiel. Freigeisterei und Spielerisches vereint sich mit einer gewissen Sturheit, Dickköpfigkeit und Ausdauer.

  4. Kreative Personen wechseln zwischen Imagination und Fantasie einerseits und bodenständigem Realitätssinn andererseits.

  5. Sie vereinen gegensätzliche Tendenzen wie Extraversion und Introversion.

  6. Es besteht eine scheinbar widersprüchliche Mischung aus Demut und Stolz.

  7. Kreative Menschen zeigen eine natürliche Neigung zu psychologischer Androgynität. Sie vereinen sowohl männliche wie weibliche Eigenschaften und entziehen sich in gewisser Weise einer rigiden Rollenverteilung.

  8. Sie sind sowohl traditionell und wertebewusst als auch rebellisch und innovativ – sie lieben die Mischung aus Struktur und Chaos.

  9. Sie pendeln zwischen Leidenschaft und Objektivität. Sie nutzen die Energie, die durch diesen Konflikt von Bindung und Distanz erzeugt wird für ihre Arbeit.

  10. Schliesslich sind kreative Personen durch ihre Offenheit und Sensibilität häufig Leid und Schmerz, aber auch intensiver Freude ausgesetzt.


Die vielleicht wichtigste Dualität ist die zwischen Offenheit und Neugier auf der einen Seite – und Fokus und Zielstrebigkeit auf der anderen. Hier ist sich die Wissenschaft einig: Die eigentliche Stärke kreativer Menschen liegt darin, Gegensätze nicht nur auszuhalten, sondern sie produktiv zu machen. Csikszentmihalyi beschreibt es so:

Kreative Menschen verfügen über die erstaunliche Fähigkeit, sich fast jeder Situation anzupassen und sich mit dem zu behelfen, was gerade zur Verfügung steht, um ihre Ziele zu erreichen.

Genau das zeigen Curie, Zimmer, Westwood und Bowie: Kreativität lebt nicht vom Entweder-oder, sondern vom Sowohl-als-auch.



think different – Punkt.

Jobs schloss seine Rede mit den Worten:

Because they change things. They push the human race forward. And while some may see them as the crazy ones, we see genius. Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do.

Vielleicht ist das die einfachste Definition von Kreativität.

Die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich nicht zwischen zwei Polen zu entscheiden – sondern in beiden zu leben.




creative practice:

Steve Jobs – Think different – lass dich inspirieren


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creatives © una seeli

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