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kreative kinder sind anstrengend

  • Autorenbild: una seeli
    una seeli
  • 13. März
  • 4 Min. Lesezeit
kreativity unplugged

think wild – and take humor seriously


Sommersprossensuperkraft

Sie ist mutig, stark, fantasievoll, unangepasst und liebenswert – wir lieben sie alle – Pippi Langstrumpf.

Sie denkt quer, macht, was ihr gefällt, und verwandelt jede Alltagsszene in ein Abenteuer. Regeln sind für sie bestenfalls Rohmaterial, um daraus neue Spiele zu erfinden. Pippi ist Piratin, Rebellin und Freigeist – kompromisslos wild, voller Leben.


Astrid Lindgren erfand sie ursprünglich als Gute-Nacht-Geschichte für ihre Tochter Karin und schenkte damit Generationen von Kindern eine Heldin, die alles darf, was andere nicht dürfen. Vielleicht liegt darin Pippis Kraft: Sie verkörpert eine Kindheit, die sich nicht einschüchtern lässt. Fantasie, Humor, Eigenwilligkeit, Mut – genau diese Qualitäten machen Pippi unvergesslich. Unerschrocken sprengt sie die Ordnung der Erwachsenenwelt.

Lindgrens Figuren erinnern uns daran, dass Kreativität nicht brav und planbar ist, sondern frei, trotzig und ungezähmt. Für uns der perfekte Ausgangspunkt, wenn wir heute über kreative Kinder sprechen.



das kreative Bündel

Neugier, Fantasie, Mut, Humor – Kreativität ist kein einzelnes Talent, sondern ein ganzes Bündel von Fähigkeiten. Wer kreativ denkt, stellt Fragen, spürt Probleme auf, wechselt die Perspektive, erträgt Unsicherheit, erfindet Neues und bleibt auch dann dran, wenn es schwierig wird. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Kernmerkmale kreativer Kinder sind:


  • Neugier & Offenheit

    Sie sind der Motor jeder Entwicklung: Kinder, die fragen, staunen und offen sind, erschliessen sich kontinuierlich neue Denk- und Handlungsräume.


  • Problemsensitivität & Problemlösungsfähigkeit

    Kreative Kinder spüren Schwachstellen früh und haben den Mut, ungewöhnliche Wege zu gehen, um Lösungen zu finden. So werden Schwierigkeiten zu Chancen.


  • Flexibilität & Perspektivenwechsel

    Flexibel denken heisst: Routinen hinter sich lassen, den Blickwinkel wechseln, neue Lösungen sehen.


  • Fantasie, Assoziation & Ideenfluss

    Fantasie erzeugt Originalität, Assoziation verbindet Dinge und sorgt für Überraschungen – daraus sprudeln Ideen.


  • Humor & Fehlerkultur

    Humor bricht Muster, eine positive Fehlerkultur öffnet Spielräume. Beides macht Mut zum Ausprobieren.


  • Frustrationstoleranz & Ausdauer

    Wer Frust aushält und unbeirrt weitermacht, wird Ideen Wirklichkeit werden lassen.


  • Ambiguitätstoleranz & Risikobereitschaft

    Kreative Kinder ertragen Unsicherheit, gehen Risiken ein und machen Gegensätzliches fruchtbar.


  • Elaboration & Realisierung

    Erst wenn eine Idee ausgearbeitet und umgesetzt wird, entfaltet sie ihre Wirkung.



mehr als die Summe

Keines dieser Merkmale wirkt allein. Erst im Zusammenspiel entsteht Kreativität: ein dynamisches Feld zwischen Denken, Fühlen und Handeln. Kreative Kinder trainieren dabei nicht nur ihren Kopf, sondern ihr ganzes Wesen. Genau das macht sie so wertvoll – und manchmal auch so anstrengend.



so weit so gut

Doch was geschieht mit dieser Neugier, wenn Kinder in die Schule kommen? Genau hier öffnet sich ein Spannungsfeld. Steve Jobs hat seine Schulerfahrungen als beengend und wenig inspirierend beschrieben.

Ich lernte Autorität auf eine mir unbekannte Art kennen, und ich mochte sie nicht. Und fast hätten sie mich fertiggemacht, es wäre ihnen um ein Haar gelungen, jegliche Neugier aus mir herauszuprügeln.

Damit ist er leider kein Einzelfall. Viele Kinder starten mit einem offenen, mutigen Geist ins Leben – sie denken frei, stellen überraschende Fragen, bringen uns mit ihren Ideen zum Lachen. Doch spätestens mit dem Schuleintritt beginnt ein schleichender Prozess: Fehler machen wird zum Makel, freies Denken zum Störfaktor. Kreative Kinder ecken oft an – nicht, weil sie "schwierig" sind, sondern weil sie aus dem schulischen Raster fallen.



das eigentlich Bittere

Viele Lehrpersonen geben an, Kreativität wichtig zu finden – aber nur wenige sehen sich selbst als verantwortlich für ihre Förderung. Kreativität wird oft bestenfalls toleriert.

Studien zeigen: Eigenschaften wie Impulsivität, Emotionalität, Regelbruch, Risikobereitschaft oder Nonkonformität werden von Lehrpersonen oft negativ wahrgenommen, und nicht mit Kreativität in Zusammenhang gebracht. Die Merkmale, welche Lehrpersonen als am typischsten für Kreativität ansahen, waren "verantwortlich, gutmütig, logisch, ernsthaft". Dies zeigt eine grosse Diskrepanz zwischen Einstellung, eigener Wahrnehmung und praktischem Verhalten von Lehrpersonen.

Das "ideale Schulkind" im System ist angepasst, verlässlich und ruhig – nicht unbedingt fantasievoll, wild oder unbequem. Kreative Prozesse sind nur leider selten ordentliche Abläufe.




was Schule braucht, damit Kreativität produktiv wird


  • Gelegenheit

    Raum für Eigeninitiative, Entdeckung, Irritation, Flow.

  • Zeit

    für das Durchlaufen vollständiger Prozesse, für Umwege, für produktives Scheitern.

  • Begleitung

    Keine Bewertung, sondern echtes Interesse.

  • Kompetente Pädagog:innen

    Menschen, die verstehen, was Kreativität braucht, damit sie sich zeigt – und wie man sie fördert. Menschen, die selber kreative Personen sind.

  • Fehlerkultur

    Eine Kultur, die Fehler nicht systematisch vermeidet, sondern nutzt und als selbstverständlichen Teil jedes kreativen Prozesses versteht. Fehler sind Angebote. Sie öffnen Lernfelder.


Wer Kreativität fördern will, muss nicht nur Methoden kennen, sondern Haltung zeigen. Es braucht Menschen, die selbst forschende, neugierige Geister sind, Humor zeigen und keine Angst vor Unerwartetem haben. Die nicht nur begleiten, sondern den Weg gemeinsam mit den Kindern gehen – nicht ein bisschen. Radikal.



weil eben nein

Nein – Kreativität ist nicht immer gefällig. Aber sie ist immer lebendig. Und sie hilft uns, mit den Herausforderungen, mit denen wir täglich konfrontiert sind, produktiv umzugehen. Ich bin überzeugt:

Kreativität ist nichts, das man benutzen sollte – man sollte sie leben.

Schule sollte sich schleunigst hin zu fluideren Strukturen entwickeln, in denen Kinder nicht nur reproduzieren, sondern kreieren, mehr selbstorganisierte Teamarbeit und ein unverfälscht kreatives Angepasst-Sein lernen.

Das braucht Mut. Wir können ihn aufbringen, denn Mut bedeutet nicht die Abwesenheit von Angst – sondern die Überwindung derselben.




inspirierend:

Watch a movie!

Radical

Ein fantastischer Film, der zeigt, wie Mut zum Regelbruch Räume öffnet, damit Neugier und Kreativität aufblühen. Und was dann möglich ist. Ein Film über Kreativität. Based on a true story.


radical – eine klasse für sich

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