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teaching for falling in love – project-based learning 1/2

Autorenbild: una seeli
una seeli
19. Juni
3 Min. Lesezeit
kreativity unplugged

think wild – and take humor seriously

portfolio, foto © una seeli


Lernen, das von innen kommt

Selbstgesteuertes Lernen ist mehr als eine Methode – es ist eine Haltung. Es entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen: für den eigenen Weg, im eigenen Tempo, auf die eigene Art. Sie entscheiden selbst, was sie verstehen, erforschen oder verändern wollen – ich behaupte, das tun sie ohnehin, ob ausgesprochen oder verschwiegen. Gras wächst nicht schneller, wenn wir daran ziehen, oder?


Der US-amerikanische Pädagoge und Erwachsenenbildner Malcolm Knowles gilt als Begründer des Self-Directed Learning (SDL). Er beschreibt Lernen als aktiven, selbstverantwortlichen Prozess – ein Wechselspiel von Zielsetzung, Strategie und Reflexion.

Forschungen belegen heute, was Knowles in den 70er Jahren intuitiv formulierte: Selbststeuerung fördert Kreativität, Motivation und kritisches Denken. Eine vielzitierte Studie von Loyens & Rikers (2011) zeigt, dass SDL-Verhalten eng mit kreativer Problemlösekompetenz korreliert, während Garrison (1997) nachweist, dass Selbststeuerung zu tieferem, nachhaltigerem Wissenserwerb führt – besonders dann, wenn Lernende echte Wahlmöglichkeiten haben.

Wer Entscheidungen treffen darf – und soll – entwickelt ein anderes Verhältnis zum Lernen: eigenständiger, bewusster, lebendiger. Menschen kommen in ihre Kraft und finden ihren Ausdrucksstil. Wir werden unique – von innen heraus. Kein fancy Überbau, der mit jedem neuen Trend frisch lackiert werden muss, sondern wachsende, lebendige Persönlichkeiten, die eigenständig und kritisch denken, die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen und Verantwortung übernehmen.


projekt bauen und konstruieren – ein haus für alle © una seeli



Struktur und Freiheit

Soweit so gut. Damit sind wir bei einem zentralen Punkt angelangt: der grossen Kunst der Freiheit.

Selbststeuerung basiert nicht auf Willkür oder Beliebigkeit – sie ist kein Chaos. Sie braucht Klarheit und Orientierung, aber ohne starre Vorgaben.

Es gibt bewährte Formen, mit denen Selbstwahrnehmung und das Bewusstsein für eigene Lernprozesse und Ausdrucksstile geschärft werden können:


Lern-Contracts

Vereinbarungen, in denen Ziele, Prozessschritte und Reflexionspunkte festgehalten werden. Sie schaffen Klarheit und Verbindlichkeit, setzen einen selbstbestimmten Rahmen – und fördern Verantwortungsübernahme.


Lern-Logs oder Lerntagbücher

Das Lern-Log ist das Skizzenbuch des Lernens: roh, ehrlich, ungeschönt. Hier wird notiert, was gelingt, was irritiert, was weiterführt. Es hilft, Muster zu erkennen – im Denken, im Tun, im eigenen Rhythmus. Der Sinn liegt nicht darin festzuhalten, dass etwas gelernt wurde, sondern wie.


Portfolio

Ein Portfolio ist die kuratierte Ausstellung des Gesamten – eine Sammlung von Arbeiten, Ideen, Skizzen, Zwischenschritten und Reflexionen, die den Prozess sichtbar machen. Es ist Dokumentation und Erzählung zugleich – ein roter Faden durch die eigene Entwicklung.

Was mir am Portfolio besonders gefällt, ist der ästhetische Aspekt, der in die Arbeit mit einfliesst – das visuelle Gestalten, das ein fester und relevanter Teil der Dokumentation selbst ist.


portfolioeintrag © una seeli



Resonanz statt Belehrung

Ich möchte an diesem Punkt wieder einmal über einen Begriff nachdenken: Lehrperson.

Ein Wort, das wohl nach Reform klingen soll, aber nach Verwaltung riecht. Das Problem ist nicht das Lehren, sondern das Rollenbild, das darin mitschwingt. „Lehrperson“ bleibt im Besitz des Wissens, das sie weitergibt. Der Begriff wirkt seltsam distanziert und unnahbar.

Ich finde, es ist Zeit, neu zu denken, welcher Begriff hier Haltung, Kultur und Absicht treffend beschreibt. Mentor:in ist alt – und erstaunlich zeitgemäss.

Der Begriff stammt aus der griechischen Mythologie: Mentor war der Vertraute des Odysseus, der dessen Sohn Telemach begleitete – Berater, Wegweiser, Fürsprecher zugleich. Heute beschreibt Mentoring eine Beziehung, die auf Vertrauen, Wissenstransfer und persönliches Wachstum zielt.

Mentor:innen teilen Wissen und Erfahrungen. Sie geben Impulse, öffnen Perspektiven, helfen, Netzwerke zu knüpfen und regen zur Selbstreflexion an. Sie sind keine allwissende Instanz, sondern Resonanzpartner:innen – aufmerksam, empathisch, zugewandt.

Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt Resonanz als „wechselseitige Antwortbeziehung zwischen Subjekt und Welt“. Übertragen auf Lernen heisst das: Mentor:innen gestalten Räume, die offen, anregend und vertrauensvoll sind – damit etwas anklingen und sich weiterentwickeln kann.


ziele formulieren und auswerten © una seeli


To study is not to consume ideas, but to create and re-create them.

– Paulo Freire




lesenswert:

Der tanzende Direktor. Lernen in der besten Schule der Welt.

Autorin: Verena Friederike Hasel. Verlag Kein & Aber, Zürich 2019 (1. Aufl.), 192 S., ISBN 978-3-0369-5800-2



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