make it happen – project-based learning 2/2

Aktualisiert: vor 4 Tagen
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die fünf höchsten türme – offene projektarbeit © una seeli
let's make it happen
Haltung fordert Handlung. Und genau hier setzt Project-Based Learning an – Lernen in Projekten. Diese Methode stellt Fragen, bevor sie Antworten sucht. Sie verbindet Denken und Tun, ermöglicht Kooperation, Anwendung und Eigenständigkeit. Projektarbeit fördert nachweislich Kreativität, kritisches Denken und Selbständigkeit – vorausgesetzt, sie ist gut angelegt und reflektiert.
Zum Beispiel: Eine Herausforderung steht im Raum – etwa „Wie können wir unseren Schulweg nachhaltiger gestalten?“ Der Rahmen ist klar: Ziel, Zeit, Material. Innerhalb dieser Leitplanken wächst Freiheit. Lernende entwickeln Konzepte, recherchieren, bauen Prototypen, befragen Expert:innen, testen Lösungen – und präsentieren ihre Ergebnisse.
Der Prozess verläuft in vier Phasen: Ideenfindung – Planung & Recherche – Umsetzung – Präsentation & Reflexion. Das Produkt ist sichtbar, der Weg lehrreich. Und am Ende steht etwas, das weit über das Ergebnis hinausgeht. In solchen offenen Settings verändert sich die Art, wie Wissen entsteht. Lernen wird aktiv, erfinderisch und eigenständig. Es fliesst – von innen nach aussen.
To study is not to consume ideas, but to create and re-create them.
– Paulo Freire

ideenfindung mit brainstorming © una seeli
so geht's
1. Ideenfindung
Am Anfang steht ein Interesse, ein Thema, eine Frage. Ideen werden gesammelt, sortiert, verdichtet. Hier zählt Quantität, Qualität kommt später. Aus Neugier entsteht Richtung: Was soll untersucht, gestaltet oder verändert werden?
Methode:
Brainstorming – einzeln oder im Team. Es wird festgehalten, sortiert und geordnet. Ohne Bewertung.
2. Planung
Das Projekt wird konkretisiert. Ziele werden formuliert, Fragen präzisiert, Ressourcen und Zeitrahmen definiert. Der Projektumfang wird eingegrenzt, ohne die Offenheit des Prozesses zu verlieren. Planung schafft Orientierung – jetzt ist der Moment, in dem es um Qualität geht. Wir machen aus einer Idee ein Projekt.
Methoden:
Mindmap – Themenfelder und Zusammenhänge sichtbar machen.
Darauf aufbauend eine Projektskizze – schriftlich und visuell – mit Zielen, Vorgehen, Materialliste, Zeitplan.
3. Recherche
Jetzt wird gesammelt, geordnet, überprüft. Informationen, Bilder, Interviews, Expert:innenwissen fliessen zusammen. Recherche ist ein iterativer Prozess – immer wieder wird geprüft, was schon klar ist und was noch fehlt.
Methoden und Tools:
Kanban-Board – um Aufgaben, Fortschritte und Zuständigkeiten im Überblick zu behalten.
Timeline – zur zeitlichen Planung über den gesamten Projektverlauf.
Tagesziele und Reflexion – um produktiv zu bleiben, für Fokus und Kontinuität.
4. Umsetzung
Die Idee wird realisiert. Es wird gebaut, gestaltet, gefilmt, geschrieben, organisiert, dokumentiert. Hier sind Flexibilität, Problemlösekompetenz und Ausdauer gefragt. Mentor:innen geben Impulse, sichern Ressourcen, geben Feedback und unterstützen.
Methoden:
Individuell – z. B. Prototyp, Ausstellung, Aufführung, digitale Präsentation, Film, Buch, Installation, Website, Aktion, Video, Plakat, Anleitung, Performance …
5. Präsentation und Reflexion
Zum Schluss geht es um Sichtbarkeit. Ergebnisse werden gezeigt, geteilt und diskutiert – im Team, in der Öffentlichkeit oder digital. Feedback wird aufgenommen, ausgewertet und in neue Vorhaben überführt. So entsteht Lernen als Kreislauf.
Methoden:
Portfolioarbeit über den gesamten Prozess hinweg: Ziele, Skizzen, Entwürfe, Notizen, Reflexionen, Fotos, Feedbacks und Expert:innenkontakte werden gesammelt und gestaltet.
Abschlussreflexion, um Erkenntnisse zu sichern und in den nächsten Projektzyklus zu integrieren.
was du davon hast
vollständige Lernprozesse: Idee → Planung → Umsetzung → Reflexion
aus Wissen wird Machen – und umgekehrt
aus Rezeption wird Kreation
vernetztes Denken und Transfer
Selbstwirksamkeit trainieren, Verantwortung übernehmen
kreatives Denken und Handeln anwenden

smartphone – offene projektarbeit © una seeli
practice
Und wie lässt sich das in der Praxis umsetzen? Wir müssen nicht das ganze System revolutioniert haben, um zu beginnen. Kleine Öffnungen sind ein Anfang. Mit diesen Ideen kann eine Realisierung schon morgen gelingen:
Atelier
Zwei Stunden pro Woche freies Arbeiten. Kein fixes Fach, sondern Raum für eigene Projekte – begleitet, nicht gesteuert.
Thementage
Zeitfenster, in denen Klassen an alltagsnahen Fragen arbeiten, mit Expert:innen austauschen, Ideen ausarbeiten und präsentieren. In regelmässigen Abständen fix im Jahresablauf integriert.
Open-Lab-Woche
Einmal pro Semester – Schule als Werkstatt. Klassenübergreifende Projektwochen, erfahrungsorientiert und fächerverbindend.

links: mindmap – rechts: mengen zählen zahlen – offene projektarbeit © una seeli
Formate wie diese schaffen Erfahrungsräume – Orte, an denen sich Neugier, Verantwortung und Kreativität gegenseitig befeuern. Wissen wird fächerübergreifend angewendet und transferiert. Lernen geschieht ganzheitlich. Von der Ideenfindung bis zur Reflexion durchlaufen Kinder und Jugendliche vollständige, kreative Prozesse, sie werden vertraut mit den dazugehörigen Tools und bauen systematisch Strategie- und Methodenwissen auf.
produktive Unruhe
Offenes Lernen bringt Bewegung. Nicht alle kommen sofort klar mit so viel Freiheit. Begleitung heisst hier: moderieren statt anleiten, Kontrolle loslassen und trotzdem präsent sein.
Wenn Rahmen und Reflexion stimmen, entsteht das, was Schule selten schafft – intrinsische Motivation – Freude am eigenen Tun.
Lernen ist Tun
Offene Lernsettings sind zukunftsfähig. Wo Lernen selbstgesteuert, dialogisch und projektbasiert geschieht, wächst Haltung: Selbstwirksamkeit, Empathie und Mut.
Kreative Skills sind ein Werkzeugkoffer fürs Leben. Sie helfen, Komplexität zu durchdringen, Ideen zu erproben und Herausforderungen als Gestaltungsspielraum zu begreifen. Wer kreativ arbeitet, entdeckt neue Wege – und sich selbst ein Stück mit.
All genuine education comes about through experience.
– John Dewey

kreativ denken – das 9 punkte problem © una seeli
Exkurs – education does not change the world
Paulo Freire (1921–1997) war brasilianischer Pädagoge, Philosoph und einer der einflussreichsten Bildungsdenker des 20. Jahrhunderts. Er wuchs in Recife auf, in einer Region, die von Armut und sozialer Ungleichheit geprägt war – ein Umfeld, das seine spätere Arbeit entscheidend beeinflusste.
Freire nannte das traditionelle Modell der Schule „Banking Education“ – ein System, das Wissen einlagert, statt Denken und Neugier zu wecken. Dem setzte er eine dialogische Pädagogik entgegen, die auf Bewusstsein, Handlung und Veränderung zielte. Lernen sollte kein passiver Vorgang sein, sondern ein Akt der Befreiung.
1963 führte Freire im Nordosten Brasiliens ein historisches Alphabetisierungsprojekt durch, das als „40 Stunden von Angicos“ bekannt wurde. Innerhalb von nur 40 Stunden lernten rund 300 Erwachsene lesen und schreiben – mit Freires Methode, die alltägliche Erfahrungen und Begriffe der Menschen als Ausgangspunkt nutzte. Ziel war nicht nur das Erlernen von Schrift, sondern das Bewusstwerden der eigenen Lebensrealität und die Fähigkeit, sie zu hinterfragen. Das Projekt wurde zum Wendepunkt seiner Arbeit – und zum Symbol für Demokratie und die transformative Kraft von Bildung.
Education does not change the world. Education changes people. People change the world.
– Paulo Freire
Freires Denken trifft den Kern projektbasierten Lernens: Lernen wird relevant, wenn Menschen Themen bearbeiten, die ihnen gehören – wenn Handeln, Reflexion und Gestalten zusammenkommen.
creative practice:
Learning by cooking: create, taste, reflect, repeat.
Kochen ist Projektarbeit im Kleinformat – spontan, planvoll, experimentell.
Im Video zeigt Buddy Oliver, wie man eine Tropical Pavlova zubereitet – locker, frei, mit viel Improvisationsfreude.

KI generierte visualisierung



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