paper trail #2 – choreografie
- una seeli

- 4. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Apr.
kreativity unplugged
think wild – and take humor seriously

duranand – foto © una seeli
Struktur finden
Ich habe in den letzten Tagen am Gerüst des Buches gearbeitet.
Kapitel ausgewählt.
Reihenfolge festgelegt.
Themenfelder definiert.
Aufgeräumt, geordnet, strukturiert.
Alles einmal durchkomponiert.
Aus Texten wird ein System. Aus Ideen eine Dramaturgie.
Das Buch beginnt, sich zu ordnen.

ordnen und strukturieren © una seeli
Gleichzeitig stellt sich eine andere Frage immer deutlicher.
Wie muss dieses Buch gestaltet sein, damit es das kann, was es will?
Vielleicht so: ein Kaleidoskop.
Kein lineares Lesen, sondern ein Bewegen.
Zwischen Theorie und Praxis, Denken und Tun, Haltung und Wissen.
Wechselwirkungen erkennen.
Wie lassen sich diese Ebenen so verbinden, dass sie intuitiv zusammenfinden – ohne Erklärung, ohne Überbau?
Wie entsteht Übersicht und Ordnung, ohne langweilig zu werden? Ohne in einen elenden Erklärmodus zu verfallen?
Wie kann man Kreativität nicht nur beschreiben, sondern erfahrbar machen?
Nicht nur sichtbar.
Auch spürbar.
Nicht nur kognitiv abgehandelt, sondern als Erfahrung erlebt?
Ideen formen

notes and research © una seeli
Erste Antworten entstehen im Gestalten.
Ich taste mich an Typografie heran.
Treffe erste Entscheidungen.
Und beginne, mich in neue Tools einzuarbeiten.
First: InDesign.
Hui.
Alles ganz neu.
Notiz aus meinen Morgenseiten:
Nun beginne ich mit InDesign. Das wird ein Anstieg.
Ich fühle mich überfordert.
Und gleichzeitig ist da eine Freude, die hüpft und klopft.
Weshalb habe ich mein halbes Leben gewartet damit?
Weshalb habe ich all die Jahre gebastelt und improvisiert, anstatt mir das Wissen einfach anzueignen, das ich brauche – und will?
self made
Ich habe mir die meisten Dinge selbst beigebracht.
Aus der Not heraus.
Und aus Leidenschaft.
Weil es mir entspricht.
Oder entspricht es mir, weil es von Anfang an einfach so war für mich? Die Huhn-und-Ei-Frage.

ordnen und strukturieren – never forget to play © una seeli
Autodidaktisch zu lernen bedeutet, Wissen nicht einfach zu übernehmen, sondern sich ihm anzunähern. Tastend. Sammelnd. Fragend.
Es ist kein linearer Weg. Man beginnt irgendwo, lässt sich treiben, kehrt zurück, baut um, verwirft und setzt neu zusammen. Unsicherheit ist die ständige Begleiterin.
Das dauert manchmal länger. Und es ist oft unübersichtlich.
Ein unordentlicher Prozess.
Es trainiert Aufmerksamkeit und Präsenz.
Weil niemand dir etwas abnimmt.
Man gewöhnt sich schnell daran, selbst verantwortlich zu sein.
Das hat eine eigene, eine starke Qualität.
Man bleibt nicht an der Oberfläche. Man tritt in Beziehung.
Was man sich so erarbeitet, wird nicht nur verstanden, sondern verinnerlicht. Es wird Teil der eigenen Denk- und Wahrnehmungsstruktur. Kein reproduziertes Wissen, sondern angeeignetes – im eigentlichen Sinn: etwas, das man sich zu eigen macht.
Ich habe lange gedacht, das sei ein Umweg.
Heute glaube ich: Es ist ein sehr direkter Weg.
Denn mehr als sich etwas anzueignen, kann man nicht tun.
Und genau das kann einem niemand abnehmen.
Ich lerne gerade von vorn.
Und genau so fühlt es sich an.
Ein bisschen wie am Anfang.
Nur anders.
I haven’t been everywhere, but it’s on my list.
– Susan Sontag
Exkurs zum Schluss
durch – einander.
Beim Schreiben bin ich darauf gestossen.
Duranand.
As isch as Duranand.
I bin duranand.
Alles duranand.
Duranand. Durch-einander.
an-einander.
mit-einander.
für-einander.
durch-einander.
ineinander.
nebeneinander.
zueinander.
Diese Wörter beschreiben keine Dinge.
Sie beschreiben Beziehungen.
Ideen entstehen selten nacheinander. Eher nebeneinander, durcheinander, ineinander. Manchmal miteinander.
Theorie und Praxis finden zueinander.
Gedanken greifen ineinander.
Schritte bauen aufeinander auf.
Und manchmal ist alles einfach nur: durcheinander.
Vielleicht ist genau das der Punkt.
Nicht Inhalte isolieren. Sondern Verbindungen sichtbar machen.
Durch. Einander.
learning by doing:
InDesign for Beginners


Kommentare